Projekt Mensch

07. Juni 2016 | Autor: Stre | Kategorien: Aktuelles, Aktuelles Archiv

Die Kurse Darstellendes Spiel der Q2 des Jahrgangs 2013 und der Q1 des Jahrgangs 2014 unter der Leitung von Esther Kohl präsentierten am 17. Februar 2016 in ihrer gemeinsamen Jahresaufführung eine Collage von 7 Szenen des Projektes „Mensch – Wie deute ich, was ich sehe?“ vor allen BGy-SchülerInnen und den vier Flüchtlingsklassen in der Aula unserer Schule.

Gegenseitiges Verständnis zu entwickeln ist eine der wichtigsten Forderungen unserer Zeit; täglich, überall und in den verschiedensten Zusammenhängen. Was meinen wir eigentlich damit? Wie konkret sind wir in unseren Äußerungen, wenn wir darüber sprechen? Was genau betrifft MICH dabei? Warum ist sie so wichtig, wenn wir täglich gemeinsam leben / wollen / müssen? Es geht um Vorurteile, Mitgefühl und Toleranz: ganz persönlich, sehr individuell, immer wieder neu.

Die Ursprungsidee entstand bei einem Museumsbesuch in Hannover. Der Künstler Andrzeij Steinbach präsentierte dort übergroße Porträt-Fotografien ein- und derselben Person in immer wieder verschiedenen Kleidungsstücken bzw. mit unterschiedlichen Accessoires. Der Betrachter war zum eigenen Wahrnehmen und Mitdenken herausgefordert, er sollte sich leiten und ver-leiten lassen, hatte somit die Chance nachzuspüren, ob und welche Vorurteile in ihm entstanden. Über diese konnte er dann staunen, sich ihnen dann stellen, sie überprüfen und vielleicht sogar ändern. Wie weit war er offen für ein Nur-Betrachten, Nur-Wahrnehmen, ohne gleich zu urteilen oder gar zu ver-urteilen?

Der Arbeitsauftrag für die beiden Kurse war jeweils zwei Fotos zu erstellen, auf denen Elemente zu sehen sind, welche beim Betrachten scheinbar automatisch Vorurteile hervorrufen. Das Ausgangsfoto sollte einen Moment betrachtet werden. Im Kopf des Betrachters entsteht ein eigenes Bild, je nach seinen Vorerfahrungen. Das zweite ist dann das Endfoto mit wiederum anderen Elementen, welche erneut Vorurteile stimulieren. Die Spielgruppen von jeweils 5 – 6 SchülerInnen hatten die Aufgabe, zwischen diesen beiden Fotos eine Spielszene zu entwickeln, welche zeigt, wie die Entwicklung von Foto 1 zu Foto 2 erfolgt. Das Verwenden von Requisiten, Kostümen, Tönen und Musik sollten einen klaren Referenzrahmen schaffen und die Aussage jeweils intensivieren. Zunächst ging es um genaues Beobachten, dann um das Nachspielen, anschließend gelang ein Verfremden und Vertiefen des Erlebten. Entstanden sind 7 Szenen zu verschiedenen, von den Spielgruppen selbst gewählten Themenschwerpunkten. Sie zeigen mit schauspielerischen Mitteln Lösungsansätze und mögliche Verhaltensmuster im Umgang mit den spezifischen Herausforderungen im alltäglichen Zusammenleben mit anderen Menschen. Jede Szene hatte jeweils eine unvorhergesehene Wendung, durch die Erwartungshaltungen der Zuschauer gebrochen wurden, um sie zum Hinterfragen und Nachdenken ihrer eigenen Gedanken und Vorstellungen anzuregen.

Aus dieser Theateraufführung entstand ein 36minütiger Film. Für dieses Projekt erhielten die beiden Kurse den Bremer Jugendpreises „Dem Hass keine Chance“ von der Landeszentrale für Politische Bildung. Er stand in diesem Jahr 2016 unter dem Motto „Mit deinen Augen“ … genau passend für unser Projekt „Mensch“.

Die Ausgangs- und Endfotos der 7 Spielgruppen finden Sie in dieser Fotostrecke. Sie regen an zum Wahrnehmen, genauen Beobachten, zum Mitfühlen … und welche Vorurteile entstehen bei Ihnen?

Die Titel der Szenen sind:
1. Ländersalat – Q2
2. Vorurteile – Q2
3. Gertrude im Bus – Q1
4. Mittagspause bei Bauarbeitern – Q1
5. Handy-Virus – Q2
6. Papa hat dich lieb – Q1
7. Von der Rolle – eine Schauspielerin – Q2

Esther Kohl, 12. März 2016