Variationen zu Caillebotte

Vom 29. Juni bis 5. Oktober 2008 stellte die Kunsthalle Bremen mit der Ausstellung ÜBER DAS WASSER – GUSTAVE CAILLEBOTTE eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des Impressionismus erstmals in Deutschland vor. Zu sehen waren rund 50 Gemälde, darunter selten gezeigte Werke des kaum bekannten französischen Impressionisten Gustave Caillebotte (1848 – 1894).
Fachoberschülerinnen und -schüler der Wilhelm Wagenfeld Schule, die Partnerschule der Kunsthalle Bremen ist, konzipierten eine eigene Ausstellung mit dem Titel VARIATIONEN ZU CAILLEBOTTE, die in der Großen Galerie der Kunsthalle gezeigt wurde und auf großes öffentliches Interesse stieß. In Anlehnung an Positionen der Gegenwartskunst schufen sie in Zusammenarbeit mit der Bremer Künstlerin Isabel Valecka aktuelle Interpretationen der Werke Caillebottes.

Ausgangspunkt der Fotoserie STADT IM SPIEGEL war Gustave Caillebottes malerischer Umgang mit spiegelnden Oberflächen wie nassem Kopfsteinpflaster, Parkettfußböden, Wasseroberflächen etc. Das Phänomen der Spiegelung bildet die Basis dieser fotografischen Gemeinschaftsarbeit. Bremer Stadtansichten und Straßenszenen wurden nicht direkt, sondern vermittelt durch ihre Spiegelung auf unterschiedlichen Materialien und Oberflächen wie Wasser, Fensterscheiben, Metall etc. fokussiert. Die auf diese Weise entstehenden Verfremdungen erzeugen einen ungewohnten, poetischen Blick auf die Stadt.

In der Malereiwerkstatt wurden in Bezug zu den Motiven Gustave Caillebottes eigene Bildentwürfe entwickelt und realisiert. Als Ausgangsmaterial dienten Figurenkonstellationen, Architekturfragmente oder auch Kompositionsstudien der Gemälde Caillebottes. Die entstandenen Arbeiten in Öl, Acryl, Tinte, Tusche bzw. Pastellkreide stehen in einem losen, aber erkennbaren Bezug zu Caillebotte. Es wurden verschiedene Themen durchgespielt, die zu sehr individuellen malerischen Lösungen führten.

Die Malerei-Installation CASCADE zerlegt mosaikartig eine im Stil Caillebottes gemalte Wasserfläche, verbindet sie mit reflektierenden Materialien und fügt sie zu einem beweglichen Mobile wieder zusammen. Im Raum hängend wie ein Capiz-Vorhang wird das Wasser in der Form des Bremer Sodenmattsees beweglich, beginnt zu reflektieren und verschmilzt wie ein Wasserfall mit dem umgebenden Raum.

Die Intention der Serie BODIES AND BOATS war es, durch Foto-Vernähungen Verbindungen zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert, zwischen Impressionismus und Gegenwartskunst, zwischen Malerei und Fotografie, zwischen den Bilderwelten der Kunst und des Internets herzustellen. Dazu wurde fotografisches Material collagiert. Den Ausgangspunkt der gestalterischen Arbeit bildeten Fotoreproduktionen der gemalten Boote und Ruderer Caillebottes. Diese wurden zerrissen und mit Netpics, Foto-Fundstücken aus dem Internet, vernäht. Gewohnte Einheiten wurden zerstört. Aus der Zerrissenheit der zusammengenähten Fotofragmente entstanden zweiseitige Zwischenbilder, die auf der einen Seite Collagen zeigten und auf der anderen abstrakte Boots-Körper aus Fäden.

 
Gustave Caillebotte hat das Wasser, die Menschen und die Tiere beobachtet, um sie mit flirrenden Pinselstrichen und leuchtenden Farben wie seine Künstlerfreunde Monet und Pissarro auf die Leinwand zu bringen. Mit den Objekten DOGGY-STYLE und PUNKY wurde der Pudel Richard Gallos, der auf einem Gemälde Caillebottes zu sehen ist, von der Leinwand in den Raum und in die Gegenwart transportiert.

Die Schülerausstellung war für Professor Wulf Herzogenrath, den Leiter der Kunsthalle Bremen, Helga Haslob, Vorständin des Bremer Kunstvereins, und Hartwig Dingfelder, Leiter der Kunstpädagogik der Kunsthalle, Anlass für einen Besuch in der Schule, um der Partnerschaft Nachdruck zu verleihen. Prof. Herzogenrath betonte in seiner Ansprache, dass ihn die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler in ihrer Qualität beeindruckt hätten. Von der gestalterischen Qualität der Wilhelm Wagenfeld Schule, so Herzogenrath, habe er schon viel – nicht  nur in Bremen – gehört.

Autor: Christian Becker
Projektleitung: Silvia Brockfeld, Christian Becker